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Carbonfasern aus Buchenholz

Vertreter aus Wissenschaft und Politik im High Performance Fiber Center, dem modernen Zentrum für Hochleistungsfasern an den DITF. (Vordere Reihe v. re.:) Minister Peter Hauk mit Professor Michael R. Buchmeiser und Peter Steiger (beide Vorstand der DITF) und den Bereichsleitern Dr. Frank Hermanutz und Dr. Erik Frank. Foto: DITF

Ansprechpartner

    Dr. rer. nat. Frank Hermanutz

    Bereichsleiter Biopolymere, Nassspinnverfahren

    T +49 (0)711 93 40-140

Buchenholz ist ein vielseitig verwendbarer, nachhaltiger und CO2 -neutraler Rohstoff. Es ist zwar reichlich vorhanden, wird aber bisher nicht genutzt. Das Land Baden-Württemberg will dies ändern und zukünftig eine Spitzenposition in der Verwendung von laubholzbasierten Rohstoffen einnehmen. Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg hat am 9. August in Denkendorf mit den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung Denkendorf (DITF) eine Forschungskooperation vereinbart. Im geplanten Forschungszentrum für Laubholz werden die Wissenschaftler der DITF an Carbonfasern aus Buchenholz forschen. Landwirtschaftsminister Peter Hauk hat sich vor Ort über die Arbeit der DITF informiert.

Das Forschungszentrum wird acht Forschungsteams aus unterschiedlichen Instituten vernetzen und dient als Schnittstelle zur Industrie. Aufgabe der DITF ist es, ökonomische und ökologische Herstellungsverfahren für aus Buchenholz hergestellte Zellulose- und Ligninfasern für technische Anwendungen zu entwickeln.

In energiesparenden, leichten Fahrzeugen werden Faserverbundwerkstoffe mit Carbonfasern eingesetzt, da diese hitzebeständig und belastbar sind. Mit Carbonfasern verstärkte Materialien gewinnen nicht nur im Fahrzeugbau und in der Raumfahrt, sondern auch im Bauwesen sowie in vielen anderen Branchen zunehmend an Bedeutung. Allerdings sind Carbonfasern derzeit noch sehr teuer. Bisher werden diese Fasern in erster Linie aus Polyacrylnitril hergestellt. Dieser Ausgangsstoff basiert auf Erdöl und bei der Herstellung von Carbonfasern aus diesem Präkursor entstehen toxische Nebenprodukte, die aufwendig gereingt werden müssen. Die Forscher sehen Vorteile in einer Senkung der Prozesskosten und eine Verbesserung der Ökologie der Carbonfaserherstellung auf Basie von Cellulose- und Ligninfasern.

Hier ist die Buche eine geeignete Alternative. Den DITF ist es im Labormaßstab bereits gelungen, aus Buchenzellstoff und Buchenlignin mit einem neuen, energie- und kostensparenden Verfahren Carbonfasern herzustellen. Damit ist die Nutzung des Buchenholzes nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. Diesen Forschungsschwerpunkt werden die DITF in das Forschungsteam 6 des „Technikum Laubholz“ einbringen.

„Ich bin beeindruckt von der Vielfalt der möglichen und bereits entwickelten Verfahren zur Herstellung von Carbonfasern. Die Zeit ist reif für eine großtechnische Anwendung“, sagte Minister Hauk nach dem Rundgang durch die Technika der DITF.