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Leiter Prüflabor Polymere, Textilchemie und Chemiefasern
Stv. Leiter Kompetenzzentrum Textilchemie, Umwelt [&] Energie
Sortenreines PBS-Kunstleder
Nachhaltige Textilverbunde mit Biopolymer Innovation Award ausgezeichnet
Faser- und textilverstärkte Verbundmaterialien bestehen meist aus mehreren stofflich verschiedenen Komponenten. Ein typisches Beispiel ist Kunstleder: Es setzt sich häufig aus einem textilen Träger, etwa aus Polyethylenterephthalat, Polyamid oder Baumwolle, und einer polymeren Beschichtung wie Polyurethan, Polyvinylchlorid oder Silikon zusammen. Diese Materialvielfalt erschwert das Recycling erheblich.
Im Sinne eines Sustainable Product Designs entwickelte ein Forscherteam der DITF gemeinsam mit der FILK Freiberg Institute gGmbH ein neuartiges Kunstleder, das im Wesentlichen aus nur einer Komponente besteht: dem biobasierten aliphatischen Polyester Polybutylensuccinat (PBS). Ziel war es, ein vollständig einkomponentiges System für Träger und Beschichtung zu realisieren.
Die Umsetzung erforderte die Entwicklung eines geeigneten Schmelzspinnprozesses für PBS, die Herstellung textiler Flächen in Form von Geweben und Nonwovens sowie die Anpassung der Beschichtung durch Schmelzextrusion. Umfangreiche Prozessoptimierungen waren notwendig, um eine überzeugende Performance und Haptik zu erreichen.
Das Ergebnis sind PBS-Kunstleder mit klaren ökologischen Vorteilen: Sie sind durch einfaches Wiederaufschmelzen gut rezyklierbar und zudem industriell kompostierbar. Damit erfüllen sie zentrale Anforderungen an nachhaltige Materialien. Die Entwicklung wurde mit dem Biopolymer Innovation Award 2025 (1st Prize) ausgezeichnet.
Das Prinzip des einkomponentigen Aufbaus wird aktuell auf weitere Anwendungen übertragen. So wird in einem BMBF-Projekt untersucht, wie Faltenbälge für den Einsatz in Zügen oder Gelenkbussen als Ein-Komponenten-Verbund realisiert werden können. Neben hoher mechanischer Belastbarkeit sind dabei auch anspruchsvolle flammhemmende Eigenschaften sicherzustellen.